10 Jahre Peter-Koch-Schule in Heidelberg
Vom Leben lernen
Die Außenstelle der Weinheimer Peter-Koch-Schule in Heidelberg feiert dieses Jahr ihr 10-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass fand in der am Luise-Scheppler-Heim angegliederten Schule für Erziehungshilfe in diesen Tagen eine Jubiläumsfeier statt. Mit rund 20 geladenen Gästen begingen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrerinnen das Jubiläum. Dabei ging es nicht nur besinnlich, sondern auch laut und fröhlich zu. Neben Worten zur Entstehungsgeschichte der Schule und Ausblicke auf ihre Zukunft von Seiten der Leitung sorgten die Schüler und Schülerinnen für ein musikalisches und kabarettistisches Rahmenprogramm, das bei den Gästen sehr gut ankam. "Schule im Sinne der Peter-Koch-Schule ist nicht nur Lernort sondern auch Lebensort. Hier wird miteinander gearbeitet, gelebt, manches Mal heftig diskutiert; gelacht oder auch gehadert", resümierte Schulleiterin Bärbel Geschwill in ihrer Festrede. Oft seien kreative Lösungen gefragt, für die an Regelschulen manchmal die Zeit und Zuwendung fehle.
Derzeit werden sechzehn Schülerinnen und Schüler in den Klassenstufen 5 bis 9 in der Heidelberger Außenstelle des Peter-Koch-Schule von fünf Lehrerinnen unterrichtet. Der Unterricht entspricht den Bildungsplänen für Haupt- und Förderschulen, Ziel ist der Erwerb eines Hauptschulabschlusses. Aber nicht nur Fächer wie Mathe, Deutsch und Englisch stehen auf dem Stundenplan sondern auch das gemeinsame Frühstück in der großen Pause. "Hier kommen Dinge zur Sprache, die im Schulalltag keinen Platz haben aber für unser Zusammenleben sehr wichtig sind", erklärt Lehrerin Rabea Frey. Nebenher lernen die Schülerinnen und Schüler, wie ein vollwertiges Frühstück aussieht und wie sie es zubereiten können. Solche Dinge sind für die jungen, oftmals traumatisierten Menschen aus sozial schwierigen Familien- und Lebenssituationen nicht selbstverständlich.
"Viele unserer Mädchen und Jungen bekommen hier eine letzte Chance, zurück in ein geregeltes Leben zu finden", erzählt Lehrerin Barbara Gabler. Sie unterrichtet die "Großen" und bereitet sie auf ihren Hauptschulabschluss vor. Regelmäßiges Erscheinen zum Unterricht ist für viele bereits ein großer Erfolg, denn anders als an staatlichen Schulen gibt es hier keinen Schulzwang.Und dabei haben die Schülerinnen und Schüler oft gar keine Probleme mit dem Lernen, es ist eher das Leben, das ihnen zu viel abverlangt. "Die meisten unserer Schülerinnen und Schüler verlassen uns mit guten Schulabschlüssen und dem Ziel, eine Ausbildung oder den Realschulabschluss zu machen", so Gabler.
Mittlerweile sind noch zwei weitere Außenstellen der Pilgerhaus-Schule in Mannheim hinzugekommen, die Nachfrage ist groß. "Wir bieten einen Schulort, an dem Kinder und Jugendliche mit schwerem Gepäck wieder lernen können, Freude am gemeinsamen sinnvollen Tun zu bekommen und Vertrauen und Selbstbewusstsein zu entwickeln", so Schulleiterin Bärbel Geschwill. Manchmal sei es für die Schülerinnen und Schüler nicht leicht, sich gegen die gesellschaftlichen Vorurteile über Sonderschulen zu behaupten. Und dabei sei sie glücklich und stolz, in der engen Lerngemeinschaft eine zweite Chance zu erhalten, konstatiert eine Schülerin, die kurz vor ihrem Abschluss steht. Damit dies auch in der Gesellschaft wahrgenommen wird, appellierte der damalige Schulrat des Staatlichen Schulamtes Heidelberg und Mitbegründer der Außenstelle Thomas Buttendorf auf der Feier abschließend an die Jugendlichen: "Erzählt allen davon, was für Erfahrungen ihr aus eurer Schulzeit hier mitnehmt, damit die Menschen um euch herum erfahren, dass es diese Schule gibt und was sie euch ermöglicht hat." (Wilke, 16.11.2011)
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